Seit 1934 ein Ort für Kinder

Vom Säuglingsheim zum Schulheim und zur
Tagesschule Erika

Die Landermatt ist ein grosser Wiesenabhang, der vom Rainliweg bis zur Fischmatt reicht. Am 9. Juni 1928 verkaufte der damalige Besitzer Josef Iten einen Teil dieser grossen Wiese (1200 m2 zum Preis von 50 Rp. pro m2) an Fanny Guignard. Diese liess gleichzeitig mit dem Kauf grundbuchrechtlich festhalten, dass die Seesicht nicht verbaut werden darf.

Mme. Guignard war Kinderschwester und liess vom ETH-Architekten Nägeli Pläne für ein Säuglings- und Kinderheim zeichnen. 1934 war das Heim bezugsbereit. Mme. Guignard führte es rund 18 Jahre lang unter dem Namen «Kinderheim Erika». (Der Name Erika ist wahrscheinlich ein Andenken an ein verstorbenes behindertes Mädchen, das ihr sehr nahe stand).
Während dieser Zeit war ein freundschaftlicher Kontakt mit Erika Benzinger entstanden. Diese junge Primarlehrerin hatte ihre Ferien mit Eltern und Geschwistern jeweils in Oberägeri verbracht. So bot Mme. Guignard Erika Benzinger das Heim 1952 zum Kauf an. Diese wollte den Lehrerinnenberuf nämlich aufgeben, um sich der Betreuung von Kleinkindern zu widmen.

Erika Benzinger wirkte acht Jahre lang als ausgezeichnete und beliebte Heimleiterin. Wieder war es eine Freundschaft, die nach der Heirat von Erika Sutter Benzinger zur Übergabe des Heims an Dora Casaulta führte. 1961 konnte diese es käuflich erwerben und gemäss ihren eigenen Ideen gestalten. Aus dem Kinderheim wurde das «Schulheim Erika», eine Internatsschule für normalbegabte Primarschülerinnen und -schüler mit Verhaltensschwierigkeiten, die in öffentlichen Schulen nicht genügend gefördert werden konnten. Die erfolgreiche Schule erhielt ab 1966 auch IV-Beiträge.

«Tante Dora», wie die Besitzerin von Kindern und Eltern genannt wurde, widmete sich bis 1995 mit grossem Einsatz den vielfältigen Aufgaben, mit denen sie als Lehrerin, Betreuerin und Therapeutin konfrontiert war.

Anlässlich einer Aussprache mit dem Erziehungsrat des Kantons Zug kam Dora Casaulta mit Alice Stäuble Kern in Kontakt. Sie und ihre Fachkollegin Isabel Karrer zeigten viel Interesse am Schulheim Erika. So formte sich allmählich der Gedanke einer Übergabe der Schule an eine neue Trägerschaft. Aus dem Schulheim Erika wurde am 30. Juni 1995 die Stiftung Tagesschule Erika.

Juli 1995
Dora Casaulta, Gründerin der Stiftung Tagesschule Erika

Von der Tagesschule Erika zum sonderpädagogischen Zentrum schuLpLus

Die Stiftungsgründerin Tante Dora äusserte bei der Übergabe der Schule zwei Wünsche: Der Name Erika sollte beibehalten werden, und das Haus sollte seinen Charme behalten und somit nur sanft renoviert werden.

Die beiden Heilpädagoginnen und Schulleiterinnen Alice Stäuble Kern und Isabel Karrer nutzten die Sommerferien 1995, um das Schulheim Erika entsprechend sorgfältig neu zu gestalten und zur Tagesschule Erika umzuformen. Ihre schulischen Ideen anhand einer eigenen Schule realisieren zu können, stellte eine grosse Chance für die beiden Frauen dar. Am 21. August 1995 startete mit zehn Kindern das erste Schuljahr der Tagesschule Erika. Mit Weitsicht und Sorgfalt führte der erste Stiftungsratspräsident Dölf Weingartner die junge Stiftung in eine herausfordernde Zukunft.

Die Zusammenarbeit mit dem Kanton Zug wurde verstärkt. Das Bundesamt für Sozialversicherungen anerkannte die Tagesschule Erika als Sonderschule für schwer verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler der Primarschule und, im Einzelfall, der Oberstufe. Damit wurde die Finanzierung durch IV und Kanton Zug sichergestellt.

In Erwartung ihres zweiten Kindes verliess Isabel Karrer die Tagesschule im Juli 1997. Die Ko-Leitung ging an Alice Stäuble Kern über, die seither für den Betrieb der Schule verantwortlich zeichnet.

Im Lauf der Zeit wurde die Nachfrage nach Schulplätzen immer grösser, die Platzverhältnisse wurden entsprechend knapper. Der legendäre Bungalow (das ehemalige Badehäuschen von Oberägeri), der Tante Dora als Wohnung und der Tagesschule als rudimentärer Schulraum diente, wurde abgebaut und erhielt auf dem Robinsonspielplatz in Baar eine neue Aufgabe. Zum Beginn des Schuljahres 2001/02 war ein neuer Schulpavillon bezugsbereit. Endlich gab es genug Platz, und die kalten Füsse im Winter gehörten der Vergangenheit an. Das neue Schulhaus ermöglichte sogar die Schaffung von vier neuen Tagesschulplätzen. Am 15. Juni 2002 wurde der neue Schulpavillon eingeweiht. Leider konnte der Gründungspräsident Dölf Weingartner am Fest krankheitsbedingt nicht teilnehmen. Als er kurz darauf verstarb, übernahm Werner Iten ad interim die Verantwortung für den Stiftungsrat. Er führte die Stiftung bis zum Frühjahr 2006 und übergab dann das Zepter an Othmar Peter.

In den Jahren 2002 und 2003 mauserte sich der Schulgarten immer mehr zu einem Spielplatz. Der Kiwanisclub Zug unterstützte die Schule tatkräftig und finanziell bei der Anschaffung und Platzierung der vielfältigen Spielgeräte. Darüber hinaus wurde ein Teil der Wiese zu einem Hartplatz umgestaltet.

Im August 2009 konnte von der Gemeinde Oberägeri das Pfadiheim Stampf als Ergänzung zum Schulpavillon gemietet werden. Die Schulanlage wurde dadurch um ein Atelier für Musik und Gestalten bereichert.

Auch das Schulteam hat sich entwickelt. Ursprünglich waren zwei Heilpädagoginnen, eine Lehrerin für Gestalten und eine Fachkraft für Hauswirtschaft und Hauswartung verantwortlich für den Betrieb. Das Team wurde im Lauf der Zeit personell erweitert, und die zusätzliche Fachkompetenz hat das Schulangebot differenzierter gestaltet.

Die Tagesschule Erika hat sich entwickelt und wollte und musste sich den veränderten Bedürfnissen der Zeit und der Gesellschaft und damit den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler anpassen.

Die Stiftung Tagesschule Erika blickt stolz auf das neue Kleid und die neuen Produkte ihres sonderpädagogischen Zentrums schuLpLus. Die Tagesschule Erika ist Geschichte aber es bleibt, was sich bewährt hat. schuLpLus garantiert auch in Zukunft Zuverlässigkeit und Qualität.

Januar 2012
Alice Stäuble Kern, Rektorin schuLpLus